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Funk - Organisation und Technik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Alexander Becker   

Das THW ist eine Bundesanstalt, die sich auf technische Hilfe spezialisiert hat. Daher verfügt das THW über eine Vielzahl technischer Rettungsgeräte und schwerer Technik. Dazu gehören neben den Bergungs-Gruppen (die überall im Bundesgebiet verteilt sind) Fachgruppen, die sich mit folgenden Schwerpunkten beschäftigen:

  • Wasserschaden/Pumpen
  • Räumen
  • Brückenbau
  • Infrastruktur
  • Logistik
  • Elektroversorgung
  • Beleuchtung
  • Trinkwasserversorgung
  • Wassergefahren
  • Sprengen
  • Ölschaden

Für all diese Aufgaben lässt sich schnell ein Bedarf bei Schadensereignissen und Katastrophen erkennen.

Warum aber beschäftigt sich eine Fachgruppe mit Führung und Kommunikation (FGr FK)?

 

Die Antwort ist einfach. Immer wenn viele Einheiten zusammentreffen bedarf es einer Koordinierung durch einen Einsatzleiter. In der Regel ist dies ein Zugführer. Bei großen Schadensereignissen wird dieser durch einen Einsatzstab unterstützt, der geschult ist dem Einsatzleiter einzelne Führungsaufgaben abzunehmen, wie z.B. Personalfragen, Lageermittlung und –darstellung, Logistik usw.

 

Zur Einsatzleitung ist immer ein Informationsaustausch notwendig. Die Kräfte am Einsatzort müssen die vorgefundene Lage der Einsatzleiter mitteilen können, damit dieser Entscheidungen treffen kann. Diese Entscheidungen müssen dann auch wieder die Einsatzkräfte erreichen können. Der Austausch von Informationen ist demnach ein wichtiger Bestandteil des Führungsprozesses.

 

Wie wird im Einsatz kommuniziert?

Der überwiegende Anteil von uns hat wohl ein Handy in der Tasche also ist es naheliegend diese im Einsatz zur Kommunikation zu nutzen. Diese Meinung ist falsch und unterstützt nicht die Art der Kommunikation im Einsatz. Handynetze haben einige Nachteile, die es notwendig machen eigene Kommunikationsnetze zu nutzen. Bei der Nutzung von Handys müssen die Rufnummern der Teilnehmer bekannt sein. Für die Einsatzleitung ist nicht immer bekannt wer gerade auf dem Fahrzeug sitzt, zudem hat das THW über 8.000 Fahrzeuge.

 

Der Wählvorgang dauert Zeit. Diese ist in einem Notfall nicht vorhanden. Es muss ohne Wählvorgang sofort ein Kommunikationskanal zur Verfügung stehen. Viele Informationen müssen zudem an mehrere Teilnehmer gleichzeitig übermittelt werden. Diese Möglichkeit bietet das Mobilfunknetz nicht. Ein weiterer Nachteil ergibt sich bei Großeinsätzen. Häufig sind viele Pressevertreter vor Ort, jeder Helfer hat sein privates Handy dabei und die Kapazitäten sind zumindest in ländlichen Gegenden begrenzt. Eine sichere Kommunikation ist unter diesen Umständen unmöglich.

 

Das THW verfügt daher – wie alle anderen BOS – über Funktechnik für das 4m- und das 2m-Band. Es handelt sich dabei um robuste analoge Technik, die Sprache mithilfe von Frequenzmodulation überträgt. Die Qualität der Verständigung ist gut. Allerdings ist der Umgang mit dieser Technik, wenn man sie sinnvoll und richtig einsetzten möchte, nicht ganz selbsterklärend. Besonders die Tatsache, dass für alle Teilnehmer am Funkverkehr ein einziger Kanal zur Verfügung steht auf dem alle gleichzeitig zuhören erfordert einen klar strukturierten Ablauf und Disziplin. Auch unter Stress müssen Regeln eingehalten werden, denn wenn alle gleichzeitig sprechen kann kein Wort verstanden werden und der gesamte Funkspruch muss wiederholt werden. Die Fachgruppe FK bildet hierzu in einem 24 stündigen Lehrgang die Sprechfunker der Bergungs- und Fachgruppen für den gesamten Geschäftsführerbereich – in unserem Fall Berlin - aus.

 

Funk- und Fernmeldetechnik

 

Wie bereits erwähnt verfügt das THW über eigene Kommunikationsnetze im BOS-Bereich. Der Kommunikationsbedarf ist hier einmal zwischen den Einheiten und der Führungsstelle (FüSt) gegeben sowie zwischen den FüSt untereinander und auch innerhalb der Einheiten (z.B. Fahrzeug zu Helfern im Schadensgebiet).

Für die Kommunikation von FüSt zu den Einheiten ergeben sich folgende Zwänge:

  • Die Kommunikation muss über weite Entfernungen möglich sein, da die FüSt nicht unbedingt immer am Schadensort ist.
  • Es muss eine drahtlose Kommunikation erfolgen, da sich die Einheiten bewegen können.

Hierfür wird der Funk im 4m-BOS-Band über eine Relaisstelle genutzt. Diese Relaisstelle ist der zentrale Punkt im Funknetz und muss von überall erreichbar sein. Das wird durch einen hohen Standort und freie Rundumsicht sichergestellt. In unserem Fall ist das Relais in Charlottenburg-Wilmersdorf in ca. 150m Höhe untergebracht. Kommuniziert wird über Funkgeräte, die 10W Sendeleistung haben, an die Fahrzeugbatterie angeschlossen sind und über einen l/4-Strahler auf dem Fahrzeugdach abstrahlen.

 

Die Fahrzeuge der FGr FK verfügen über einen 6m hohen Mast, auf dem eine Groundplane oder leicht gerichtete Antenne montiert werden kann, um die Reichweite zu erhöhen bzw. zusätzliche Relaisstellen aufbauen zu können. Erzielbare Reichweiten sind je nach Gelände und Ausbreitungsbedingungen bis zu 30km. Zusätzlich existieren für das 4m-Band Handfunkgeräte (HFG), die mit 1W Leistung und Wendelantenne eine fahrzeugunabhängige Kommunikation ermöglichen.

Die Kommunikation innerhalb der Einheit muss nur über wesentlich kürzere Entfernungen (<1km) erfolgen. Dafür müssen die Geräte jedoch transportabel und unabhängig von der Fahrzeugstromversorgung sein. Hier werden HFG im 2m-BOS-Band genutzt. Die Leistung ist auf 1W begrenzt, was dem Stromverbrauch und der Akkulebensdauer entgegen kommt. Je nach Bedarf kann die FGr FK auch hier Relaisstellen zur Reichweitenvergrößerung einsetzen.

 

Bei der Kommunikation der FüSt untereinander ist man nicht unbedingt auf Mobilität angewiesen, da diese ihren Standort bis zum Einsatzende nicht ändern. Bei größeren, länger andauernden Schadenslagen wird hier der Fernmeldebau-Trupp aktiv, der ein eigenes drahtgebundenes Telefonnetz aufbaut. Es kann ein digitales, selbstvermittelndes Feldtelefonsystem oder ein analoges, handvermitteltes eingesetzt werden. Jedes System hat spezifische Vor- und Nachteile, so dass lageabhängig über das eingesetzte System entschieden werden muss.

Bei kürzeren Einsätzen wird hier aufgrund des geringeren Aufbauaufwands ebenfalls 4m-Funk eingesetzt. Beachtet werden muss hierbei, dass nur eine begrenzte Anzahl an Kanälen verfügbar ist. In Berlin z.B. ist es nicht ohne weiteres möglich einen weiteren Kanal zu nutzen.

  • Im Führungskraftwagen (FüKW) stehen 2x 4m-Geräte, 1x 2m Gerät, 1x GSM-Adapter und 1x 6m Mast zur Verfügung.
  • Der Führungs- und Kommunikationskraftwagen (FüKomKW) hat 3x 4m Geräte, 2x 2m Geräte, 1x Tetra Gerät und 2x 6m Masten.

 

Der FGr FK steht des weiteren Technik zur Verfügung, um mehrere Funkkanäle zusammen zu schalten:
4m/2m oder 4m/4m bzw. 2m/2m. Zudem sind Funkmasten von 12m Höhe vorhanden.

Um die Kommunikation innerhalb der FüSt und nach außen zu ermöglichen ist im FüKomKW eine TK Anlage mit 2 externen S0 (bzw. UK0), 2 externen analogen Anschlüssen und einem GSM-Adapter mit 2 SIM-Karten (inkl. Daten und Fax) eingebaut. Theoretisch ist es also möglich 8 externe Gespräche gleichzeitig zu führen.

Zur internen Kommunikation verfügt die Anlage über 1 S0 und 8 analoge Anschlüsse, die wahlweise über ein Patchfeld im FüKomKW oder Führungs- und Lageanhänger (FüLaAnh) geschaltet werden können. Für die Vernetzung der IT stehen 2 Switch (je 1 im FüKomKW und 1 im FüLaAnh) zur Verfügung, die miteinander gekoppelt werden. Neben ISDN und analogen Telefonen stehen auch DECT Telefone und ein Faxgerät bereit. Über die genannten TK-Wege steht natürlich auch ein Internetanschluss zur Verfügung. Je nach Anbindung mit einer entsprechenden Geschwindigkeit von 9k6 bis 16Mbit.

 

 
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